Stadtentwicklungsprojekt Garath 2.0

„Garath wird total unterschätzt. Es ist ein grüner Stadtteil, der interessant ist für junge Familien und alle Generationen. Wir wollen mitnichten alles neu machen, aber neue Anstöße für eine positive Entwicklung geben." Mit diesen Worten startete Oberbürgermeister Thomas Geisel das Stadtteilprojekt Garath 2.0. Mit mehreren hundert interessierten Bürgerinnen und Bürgern diskutierten Fachleute der Stadtplanung im Mai in der Freizeitstätte Garath über konkrete Problemlagen und Ziele.

 

Seit 2009 beobachtet Bezirksvertreter Peter Ries die Entwicklung in den Einkaufszentren. Über die Jahre hab er immer wieder Anträge in der Bezirksvertretungssitzung gestellt. Darunter waren z.B. Vorschläge über die Einrichtung eines Leerstandsmanagements und die Zusammenführung von Kommunalpolitik, Geschäftsinhabern und Immobilieneignern an einem „Runden Tisch“.  Auch der Verfall, Brandruine „Goldener Ring“, die fehlende Sauberkeit und Sicherheit habe er immer wieder angemahnt und Vorschläge unterbreitet.

 

„Man wollte oder konnte mich offensichtlich nicht verstehen, denn alle Anträge wurden abgelehnt oder relativiert. Nicht zu vergessen sind auch die Anträge und Anfragen, welche durch unser Bürgermitglied Dr. Jans-Joachim Grumbach  ihren Weg in den Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung fanden und allesamt stets abgelehnt wurden. Offensichtlich wurde Druck durch die Öffentlichkeit und der Beharrlichkeit von Ries und Grumbach so groß, dass sich der OB vor den Wahlen des Themas Garath widmete.“

 

Grumbach: „Was die Verwaltung und das Planungsbüro vorhaben, klingt nach einem unkonventionellen Ansatz. Das kann gut werden, und man darf auf das Ergebnis gespannt sein. Leider fängt man wieder bei null an, obwohl schon viele Fakten und Erkenntnisse auf dem Tisch liegen."

 

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat in 2010 für Einzelhandel und Gewerbe die Bedingungen, Vorteile und Defizite von Garath herausgearbeitet. Die Bevölkerung wurde 2013 im Rahmen des Projekts STADT:LAND:WOHNEN im Auftrag vom Bund Deutscher Architekten (BDA) zu den Themen Wohnen, soziales Leben und Nahversorgung befragt und hat die Entwicklungspotenziale und die dafür notwendigen Maßnahmen benannt. Besonderes Augenmerk wurde damals auf die Entwicklung der Nebenzentren als Mittelpunkte des sozialen Lebens gerichtet.

„Zusammenfassen muss ich sagen, dass man in der Stadtspitze seit der letzten Kommunalwahl ein ganzes Jahr für „Garath 2.0“ verschlafen hat. Hätte man im letzten Sommer alle bekannten Fakten und Erkenntnisse zusammen getragen und das Büro auf dieser Basis beauftragt, läge jetzt vielleicht schon was verwertbares auf dem Tisch und dann könnte man vielleicht auch schon vor der nächsten Kommunalwahl erste Ergebnisse sehen. So tut sich hier vor Kommunalwahl 2020 vermutlich nichts.

 

Im Wahlkampf sollen die Garather Bürgerinnen und Bürger dann vermutlich mit der konkreten Aussicht auf blühende Landschaften geködert werden, mit deren beabsichtigter Planung sie schon 2014 den aktuellen OB, ihre beiden Ratsleute gewählt haben“, so Grumbach weiter.

 

„So lange wir es zulassen (müssen), dass ausländische Investoren Immobilien aufkaufen, um diese für ihre Klientel als Abschreibungsobjekte zu Verfügung zu stellen, und diese dann verkommen lassen, so lange gibt es auch keine Handhabe, leer stehende Läden wieder zu aktivieren und marktgerecht umzubauen. Und wenn z.B. Wohnungsgesellschaften und Vermieter ihre Wohnungen, Läden und Häuser weiter verwahrlosen lassen und notwendige Reperaturen unterlassen, werden sich keine adequaten Mieter finden, die sich hier niederlassen wollen. Damit schwindet die Kaufkraft weiter und demzufolge auch die Hoffnung auf eine gute Nahversorgung. Abgesehen davon befinden sich fast 70 Prozent der Wohnungen in einem nicht barrierefreien Zustand; auch diese Tatsache vertreibe zunehmend ältere und behinderte Menschen aus Garath“, sagte Ries.

 

Nachtrag

Wir wundern uns über die Bürger in Garath (...)  So begann Orzessek-Kruppa (Leiterin des Planungsamtes) ihre Ausführung zum Planungs- und Realisierungsstand von „Garath 2.0“. „Wir haben bereits über 1,7 Mio. Euro in Garath in Haupt- und Nebenzentren investiert. Das scheint in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger dort nicht angekommen zu sein.“ Diese Aussage beweist einmal mehr, dass man das wahre Problem noch nicht erkannt hat.

 

 

 

Kommentar: Und wieder eine Umfrage

 

Bereits 2010 gab es durch die IHK eine Kunden- und Geschäftsbefragung in Garath. Damals wurden 300 Kunden und 81 Unternehmen durch die IHK Düsseldorf befragt, um die Situation vor Ort einschätzen zu können. Damals machten die Befragten deutlich,  dass die Rahmenbedingungen für Handel und Gewerbe auch von negativen Aspekten geprägt seien. Zwar schätzten Unternehmer und Kunden besonders das Parkplatzangebot, wie auch die gute Erreichbarkeit. Ebenfalls sehr begrüßt wurde der sich zwei Mal in der Woche im Zentrum befindliche Markt. Zwischenzeitlich ist der auch schon ziemlich ausgedünnt.

 

Damals waren die Befragten mit der Atmosphäre sehr unzufrieden. So wurden insbesondere die Sauberkeit und die Sicherheit vor Ort bemängelt. Verbesserungen waren nach Ansicht der Kunden und Geschäftsbetreiber auch beim Branchenmix möglich. Trotz dieses Wissens hat sich die Situation bis heute stark verschlechtert. Gründe dafür sind auch Fondgesellschaften und undurchsichtige Eigentumsverhältnisse der leer stehenden Immobilien (Geschäfte) und die all zu oft zu hohen Mieten. Die Ergebnisse sowie Maßnahmenvorschläge der IHK von 2010 stehen Interessenten in Form von Präsentationsunterlagen als Download zur Verfügung.

 

Ob nun die im Rahmen von Garath 2.0 startende Umfragen-Kampagne des Unternehmens StadtRaumKonzept mehr Erfolg bei der Umsetzung haben wird, bleibt zumindest wünschenswert. Fakt ist: Um leer stehende Immobilien wieder zu aktivieren und erarbeitete Ideen verwirklichen zu können, bedarf es einer Zusammenarbeit mit den Immobilieninhabern. Wenn diese sich jedoch im Ausland aufhalten und ihre Interessen einzig darin bestehen, diese Immobilien als Abschreibungsmöglichkeiten für ihre Klientel vorzuhalten, sehe ich diese Befragungen eher als nicht zielführend an. Denn das Ergebnis wird sich nicht wesentlich von den Ereignissen und den Vorschlägen - wie man etwas verbessern kann - der vorherigen Jahre unterscheiden. Am Ende kommt raus, was wir ohnehin bereits wussten .

 

Info:

StadtRaumKonzept ist ein Unternehmen für Beratung, Forschung und Entwicklung in den Themenfeldern Stadtentwicklung und Wohnungswesen, Regionalplanung und Mobilitätsmanagement. sie wird ihre Umfragen in Garath durchführen. Vorstellung in der BV vom 28.04.2015